In den Lebensjahren 0 bis sagen wir mal 10 (grob), haben mich vor allem die Sachen geprägt, die im Elternhaus so vor sich gingen. Bei Freunden habe ich keine Musik gehört, selber Musik gesucht habe ich nicht.
Zwei Dinge habe ich selber gemacht: Zum einen war es die obligatorische Blockflöte, an die ich allerdings einfach keine Erinnerungen habe, und das ist vermutlich ganz gut so. Zum anderen war es ein Schulchor, der Volks-, Heimat- und Wanderlieder gesungen hat. Das Übliche eben, "Hoch auf dem gelben Wagen" und so Klassiker eben. Aber es gab tatsächlich ein Lied, das ich damals abgöttisch geliebt habe und mir heute noch in Erinnerung ist: "Heute wollen wir das Ränzlein schnüren":
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Im Elternhaus war fast ausschliesslich Schlager angesagt. Klar, es waren die 70er. Mein Vater hatte seine Rock'n'Roll Phase hinter sich, einen Plattenspieler für seine Platten hatten wir nicht. Nur Kassettenrekorder und den Fernseher als Schallquelle. Wenn nicht gerade Weihnachten war, liefen vor allem Peter Alexander, Udo Jürgens und Roger Whittaker, aber auch eher selten. Das meiste lief eigentlich auf Autofahrten, sei es zu Verwandten, sei es in den Urlaub. Aber ehrlich gesagt war da nicht viel, an das ich mich bleibend erinnere. Bis auf ein Stück, an das ich die Erinnerung habe es gehört zu haben in einer Nachtfahrt aus dem Urlaub heim, irgendwo in den Bergen. Es ist von James Last. Ja, der mit der Big Band, der allen möglichen Schmalz recht schmalzig in seinen "Happy Sound" geprügelt hat.
Aber er hat auch Sachen selber geschrieben, recht sehr viele sogar. Einige kennt man bewusst oder eher unbewusst, viele davon sind von fragwürdiger Substanz, aber dieses hier hat es mir mehr als angetan, es hat mich verzaubert - Biscaya (YouTube)
Es war das erste Lied, bei dem ich einen "Fenster-Moment" hatte. So, als wäre man in einem muffigen, dunklen, kleinen Raum und auf einmal wird ein Fenster aufgestossen und es scheint der helle Tag vor grandioser ewig weiter Landschaft und die kühle, klar Luft durchströmt einen. Einen Moment, in dem sich die Welt, die man so im inneren Auge ständig vermisst, vergrößert.
Dieser Moment ist hier im Video bei 1:05 bis ca. 1:40.
Mir ist völlig unklar, ob man das nachvollziehen kann, aber für mich war er ein entscheidender. Das Stück ohnehin ist recht offen und klingt wirklich "groß" und maritim und nach Weite. Aber in diesem Teil stößt Last eine Tür auf. Großartig! Aber nichts vergleichbares, nicht mal annähernd, von James Last gefunden. Ein Solitone quasi.
Auch wenn ich mich um Kopf und Kragen schreibe, aber das Stück hier ist kein "Guilty Pleasure", kein Unfug aus Kindertagen, zu diesem Stück stehe ich auch heute noch 100%. Es bewegt mich und rührt mich hin und wieder zu einer kleinen Träne, trägt mich fort an andere Orte und bläst mir frische Luft in meine Lungen.
Aber eigentlich hat mich am meisten das geprägt und ist mir in Erinnerung geblieben, was im Fernsehen lief. Filmmusiken, Titelsongs von Serien. Einige Sachen seien exemplarisch herausgegriffen:
Vladimir Cosma - Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh
Sergio Leone - The good, the bad and the ugly one
Karel Svoboda - Pinocchio, Opening
Christian Bruhns - Captain Future Soundtrack
Christian Bruhns - Sindbad Opening
Audrey Hepburn - Moon River
Und viele, viele weitere solcher Filme, sei es mit Doris Day, Liz Taylor, Dean Martin, Fread Astaire... Sonntag nachmittags gab es meistens eine schöne Schwarzweiss-Ami-Schnulze *seifz* So schön...
Lubos Fiser - Die Märchenbraut
Eigentlich auch so schon genialer Spaß. Es geht darum, dass durch ein paar magische Artefakte Leute von der "Echten" in die Märchenwelt können und andersrum. Und die richten abwechselnd wirklich haarsträubenden Unsinn an, inklusiver Verschwörung, Verwechslungen, Bedrohung/Rettung der Welt.
Running Gag: in der "Echten" Welt ist ein Märchenerzähler im Fernsehen, der die Märchen vorliest. Und je nach Einmischungsgrad triften die tatsächlich komplett in's Absurde ab.
Müsste ich mich jetzt nochmal anschauen, als Kind war es ein brillianter Spaß aus Tschechien. Wie ohnehin so viel zu dieser Zeit (Ende 70'er, Anfang 80'er). Auch Luzie, der Schrecken der Straße (mit den Knetmännchen), und Pan Tau...
Alexander Courage - Star Trek
Zu Christian Bruhns und Karel Svoboda ist noch mehr zu sagen - die haben irgendwie die Hälfte aller 70'er Jahre Kinder-Soundtracks "verbrochen".
Karel Svoboda: Aus seiner Feder stammen auch das um Weihnachten unausweichliche Drei Nüsse für Aschenbrödel, Wickie, die ikonische Biene Maja, und das unglaublich schöne Titellied von Nils Holgerson
Christian Bruhns: Heidi, Sindbad, Wickie (Titellied), aber auch Marmor, Stein und Eisen bricht, Zwei kleine Italiener....
Ich muss gestehen - ich habe die Soundtrack CD zu Captain Future, und ich habe sie mir als Erwachsener gekauft. Und sie ist klasse! Er hatte den Auftrag die komplette Serie neu zu vertonen und er hat sie von einem recht drögen typisch japanischem 70er Soundtrack in's nächste Jahrhundert katapultiert. Der Soundtrack ist auf höchstem Niveau produziert und komponiert und bietet eine einheitliche Soundsprache mit modernen Elementen, die trotzdem teilweise zeitlos gehalten sind. Leicht funky (mit typischer Gitarre und Slap-Bass) und doch mit markanter und Science-Fiction typischen Keyboard-Sounds.
So, ich mache hier mal Schluß. Ich habe mir zwar vorgenommen die Sachen strukturiert und mit einem konsisten Narrativ hier fast schon journalistisch aufzuarbeiten, aber das ist mir vom Krankenbett aus deutlich zu mühsam.
Deswegen wird es ab jetzt ein eher unstrukturiertes, episodales "Abkippen" von Zeugs.
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